Projektarbeit: Trau Dich, trau Dir!

Zu keiner Zeit im Jahr werde ich so sehr von Zweifeln geplagt wie im Frühsommer.

Nicht falsch verstehen: meine eigenen Zweifel kennen natürlich keine Jahreszeit (jetzt muss ich gerade lachen).

Im Ernst: Die Zweifel, die mich noch mehr als meine eigenen plagen, sind die “meiner” Studenten, die um diese Zeit ihre Prüfungen ablegen, Projektarbeiten schreiben, Studien erstellen. Die immer wieder zur Betreuung kommen und in so gut wie allen Fällen am wenigsten fachliche, am meisten aber motivationstechnische, mentale Betreuung brauchen. Mut. Bestärkung. Lob. Kraft. Humor. Spaß.

Werbung, Marketing, Text, Kreativität soll doch Spaß machen, sonst würden wir das alles doch nicht wollen. Ich will nicht sagen, dass es mir nicht selbst gut tut, immer wieder die gleichen “Formeln” herunterzubeten, die meinen Diplomanden Kraft und Motivation geben. Trotzdem, und vielleicht auch für mich selbst, möchte ich den ganzen Sermon hier einmal fixieren. Um ihn auch selbst immer wieder durchzulesen. Um Kraft zu geben und mir selbst zu holen. Um weiter daran zu arbeiten, aus Zweifeln Kraft zu schöpfen.

 

You are the one.

Du bist (im Moment) die/derjenige,

  • die/der zweifelt,
  • die/der Angst hat, nicht gut genug zu sein,
  • die/der befürchtet, dass “das alles ein Blödsinn” ist.

Sei so, sei der Loser, sei schlecht, hab den Mut dazu, solange Du es brauchst und darauf Lust hast, und dann “is´s aber auch wieder gut”.

Dann bist Du die/der, die/der gelernt hat, sich auskennt, lacht, seine Arbeit gern tut, und Probleme dadurch definiert, dass sie/er Lösungen dafür gefunden hat.

Haben wir nicht immer und immer wieder gelernt, geprobt, probiert und versucht, die Welt aus der Perspektive des anderen zu sehen? “Walk in your customer´s shoes”?

Zeig jetzt, dass Du gelernt hast und spürst, worüber wir immer wieder gesprochen haben.
Walk in the other´s shoes. Sei jetzt dieser andere. Sei die/der, die/der sich auskennt, der lacht, der arbeitet.

Funktioniert nicht? Websearch Patch Adams.
Und dann arbeiten.

 

But you could likely be the other.

Klar, es könnte sein, dass alles, was Du gerade erarbeitest und schreibst, WIRKLICH Blödsinn ist, warum auch nicht. Vielleicht ist Dein Logo echt schlecht. Die Idee hält nicht. Die Strategie ist an den Haaren herbeigezogen. Deinen Text wird niemand verstehen. Hättest Du doch ein anderes Thema gewählt.

Wenn Du das wirklich glaubst, DANN LÖSE DAS PROBLEM.

Mach das Logo gut. Entspanne Dich, geh spazieren, trink Himbeersaft, hilf Deiner Freundin beim Fensterputzen, deinem Freund beim Reparieren des Mopeds, und entwickle eine bessere Idee. Zeichne Strichmännchen in Deine Skripten und verbessere dabei Deine Strategie. Schreib in Gottes Namen einfach einen Text, der sich für Dich gut anfühlt – Du wirst ja nicht bezweifeln, dass es genügend Worte gibt auf dieser Welt. Oder finde ein anderes Thema.

Funktioniert nicht? Websearch Vera Birkenbihl.
Und dann arbeiten.

 

Frag Dich viel, aber warte nicht (immer) auf die Antwort.

Klar, fragen ist wichtig. Aber erinnere Dich: wenn Du als Kind viel gefragt hast, waren Dir wirklich die Antworten wichtig? Oder hast Du vielleicht ganz allein dadurch, dass Du die Frage gestellt hast, einen Lösungsprozess in Dir selbst angestoßen? Wärst sogar von selbst auf die Lösung gekommen, wenn nicht schon jemand pädagogisch schnell geantwortet hätte?

Fragen und Zweifel sind gesund, halten Dich wach, reflektiert und ideenreich. Sei froh darum.
Fall rein, nimm sie an. Du stellst Dir viele Fragen? Super, Dein Kreator und sein Advocatus Diaboli arbeiten.

Funktioniert nicht? Websearch Erich Fried.
Und dann arbeiten.

 

Tu Dir Gutes.

Ernähre Dich gesund. Trink genug. Kauf Dir in Gottes Namen diese sündteure Creme. Zieh die neuen Schuhe an, auch wenn Du nur am Schreibtisch sitzt. Trink das Bier, mach das Feuer, fülle die Waschmaschine, räum Deinen Schreibtisch auf, iss die ungesunde Schokolade. Koche einmal NICHT (Butterbrot tut´s auch).

Jeder hat seine eigenen Arbeitsrituale, jeder braucht andere Bedingungen, jeder empfindet etwas Anderes als Belohnung. Egal. Wichtig ist, dass … die Summe der “ja” größer ist als die Summe der “nein” …

>>> eh schon wissen? Na eben.

Funktioniert nicht?
Dann hör auf, im WWW zu surfen, und mach Dir eine Liste der Dinge, die Du gerne magst. Höchste Zeit.
Und dann arbeiten.

 

Hör nicht auf Andere.

Oder nur dann, wenn das, was sie sagen, sich gut anfühlt.

Du lässt Dich von anderen “runterziehen”?
Ganz egal, wer was sagt, das Dir nicht behagt oder Dich in Zweifel bringt:

  • es gibt unberechtigte Kritik – die fühlt sich lausig an. Dann pfeif auf den Kritiker und seine Kritik.
  • es gibt berechtigte Kritik – die fühlt sich  lausig an. Hör in Dich hinein und mach´s besser.
  • es gibt unberechtigte Kritik – die fühlt sich gut an, weil man es besser weiß. Dann pfeif auf den Kritiker.
  • es gibt berechtigte Kritik – die fühlt sich gut an, weil man dadurch auf bessere Ideen kommt.
    Arbeite weiter.

Du hast die Wahl. Du. Du bist der Maßstab, der andere kann Dir nur eine Richtung sagen. Und vergiss nie: jeder Mensch hat seine Geschichte. Manche machen Dir lausige Gefühle, um sich selbst gut zu fühlen. Vertrau auf deine Intuition, Du bist alt genug und hast genug gelernt: mach, was sich gut anfühlt.

Funktioniert nicht? Dann folge meinem Vater in seinem Spruch: “Folg, aber tu, was Du willst!”.
Und dann arbeiten.

 

Sich gut fühlen, das kann man machen.

Hast Du Dich noch nie geärgert, dass Leute, die viel weniger mitbringen als Du, viel mehr Anerkennung und Erfolg haben? Dass gerade “solche” mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet sind, dass man neidig werden könnte?

Obwohl die viel weniger können als Du?

Und DAS willst Du nicht auch können? Manche Dinge kann man machen, die muss man gar nicht lernen. Dazu braucht man höchstens Disziplin: “So tun, als ob”. Du bist Deine Zielgruppe. Walk in your own shoes.

Funktioniert nicht? Wieder die gute Vera Birkenbihl.
Und dann arbeiten.

 

Wenn schon, dann hinterfrag Dich richtig.

Und nicht nur halb.

Stell Dir vor, Du bist Einstein. Ogilvy, Steve Jobs, auf jeden Fall jemand, der megaschlau und megaklug ist. Was würde DER zu Dir, zu Deiner Arbeit sagen? Versuch, Deine Arbeit durch seine Augen zu sehen. Stell Dir vor, Deine Arbeit durch die Augen von wem auch immer zu sehen, den Du bewunderst. Stell Dir vor, Du BIST der und verbesserst jetzt eben Deine Arbeit.

Das geht, wenn Du dabei nicht vergisst, morgen nochmal selbst drüberzusehen –
denn klar: DU bist der Maßstab. DU musst fragen und antworten. Einstein wird nicht schreiben kommen.

Funktioniert nicht? Frag nach bei Einstein.
Und dann arbeiten.

 

Manchmal muss man alles hinwerfen.

Also: nicht wirklich. Aber das Gefühl ertragen, alles hinwerfen zu wollen.

Das ist normal, in fast jedem Projekt gibt es solche Phasen (beachte die Mehrzahl!).
Du kannst jetzt folgendes tun:

  1. alles hinwerfen
  2. aufhören, Pause machen, morgen weitermachen und entscheiden
  3. akzeptieren, dass solche Momente normal sind, Deine Arbeit nochmal ansehen und weiterarbeiten.

Funktioniert nicht? Frag nicht mehr lang, mach Pause. Und dann entscheide Dich.
Und dann arbeiten.

 

Finde richtige Autoritäten.

Der Umgang mit Kritikern, Tutoren, Dein innerer Schweinehund, Dein innerer Kritiker:
das sind alles mächtige Autoritäten.

Vergiss sie mal. Geh in eine “normale” Situation.
Stell Dir vor, Du sitzt bei Euch zu Hause am Küchentisch. Deine Mutter kocht, und Du erzählst ihr, was Du gerade so schreibst. Sie fragt nach. Du antwortest.

Dieses Gespräch soll das Modell für Deine Arbeit sein, denn was Deine Mutter Dich fragt, soll sich der Gutachter nicht fragen müssen – weil Du Deiner Mutter ja eine klar verständliche Antwort gegeben hast, und weil die Antwort in Deiner Arbeit steht. Das bezieht sich auf Tatsachen, Analyseergebnisse, Quellen, Vorschläge.

Walk in your reader´s shoes und denke daran:
Die Summe der “ja” muss größer sein als die Summer der “?” und der “nein”.
Lies Deinen Text mit Augenmerk darauf nochmal durch: wo ergeben sich Fragezeichen? Wo spürst Du Genugtuung und Bestätigung? Wo fehlt Dir noch etwas?

Funktioniert nicht? Frag Mutti. Und dann geh in Dich und lies nochmal.
Und dann arbeiten.

 

Trau Dich, Dir selbst zu trauen.

Ich kenn Dich ja nicht so gut, aber würde ich´s Dir nicht zutrauen, würdest Du diese Worte nicht lesen.

Wenn ich dir also traue, Du Dich selbst aber schon so viel länger kennst als ich, hast Du nicht noch viel mehr Grund als ich, Dir selbst was zuzutrauen?

Funktioniert nicht? Trust.
Und dann wieder arbeiten.

 

Lass los, bleib locker.

“Nur ein schwer verdienter Schilling ist ein gut verdienter Schilling” ist einfach, einfach, einfach nicht wahr, und nicht erst seit der Währungsreform.

Ein gut verdienter Euro klimpert ganz von allein in der Hosentasche, weil es unendlich viel Spaß gemacht hat, ihn zu verdienen. Weil man stolz ist auf das Ergebnis.
Weil man allen auf der Welt sagen will: “Das hab ICH gemacht!” – Auf diese Situation arbeitest Du hin!

Und schließlich: es ist nicht das Ende der Welt, es ist nur eine Projekt- oder Diplomarbeit.
Das haben viele Andere auch schon geschafft. Komm runter von der Palme, bleib cool.
Übe jetzt für die WIRKLICH haarigen Situationen, die eventuell in Deinem Leben noch kommen könnten.

 

The first step is the hardest.

JUST DO IT.

Peace.
It does not mean to be in a place where there is no noise, trouble or hard work.
It means to be in the midst of those things and still be calm in your heart.

Trau, schau, wem: DIR SELBST!
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Ein Gedanke zu „Trau, schau, wem: DIR SELBST!

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Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, dass sich so wenige Leute damit beschäftigen.”
Henry Ford (1863-1947)
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